Die Pornobranche ist ja eigentlich für ihre Zeigefreudigkeit bekannt. Das Einzige, was noch von einem Mantel des Geheimnisvollen bedeckt wird, sind die wahren Namen der Darsteller. Das ist natürlich auch verständlich, denn selbst im zurückhaltungslosen Heute könnte es immer noch peinlich sein, als Mitwirkender in Werken wie "Auf Schloss Bumms klappern die Nüsse" bloßgestellt zu werden. Selbst die weltoffenste Oma dürfte bei solcherlei Enkelenttäuschung den Rotstift am Testament ansetzen.
Nun beschäftigt sich eine US-amerikanische Webseite schon seit Längerem damit, auch noch dieses letzte Geheimnis des bekleidungsarmen Filmschaffens zu lüften. In einigermaßen abfälligem Ton werden die Damen und Herren der "Industry" porträtiert und eben auch mit ihren realen Namen präsentiert. Für dieses an sich schon verwerfliche Treiben hat die genannte Webseite nun noch weitere Munition bekommen: Allem Anschein nach ist die Datenbank eines medizinischen Instituts, das die meisten HIV-Tests der kalifornischen Nacktdarsteller durchführt,
gehackt worden. Der Inhalt der Datenbank, inklusive der Testergebnisse, scheint der Vollentblößungs-Webseite zugespielt worden zu sein.
Bisher wurden zwar keine medizinischen Unterlagen – sprich: Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten – kolportiert, aber allein die Drohung, die da im Raum steht, bringt die Branche in Aufruhr. Und dieser Aufruhr zeigt bereits eine Wirkung: Die SQL-Datenbank der Antiporno-Seite verweigert inzwischen den Dienst, es sind keine Enthüllungen mehr abrufbar. Ob diese Downtime übermäßigem Publikumsverkehr oder einem erfolgreichen Hackerangriff zuzuschreiben ist, kann vorerst nur spekuliert werden.
In jedem Fall ist die Downtime zu begrüßen: Auch wenn Hacker im Allgemeinen und auch ich im Besonderen eigentlich keine Befürworter von Informationskontrolle sind, sollten die Realnamen von Pornodarstellern deren Geheimnis bleiben. Nacktfilme sind das Rückgrat des Internets, mehr oder weniger erotische Inhalte machen circa ein Drittel des gesamten Weltnetzes aus. Damit sind die Darsteller dieser Filme so etwas wie die Pateneltern des Internets und sollten unter Artenschutz stehen.