Bekanntermaßen kann sich das iPhone, Apples Pseudo-Handy, mit WLAN-Netzen verbinden. Das ist weder etwas Besonderes noch etwas Neues. Die Feinheiten dieses Alltagsfeatures jedoch werfen – mal wieder – ein entblößendes Licht auf die Philosophie der Steve-Jobs-Prediger. Das iPhone verbindet sich nämlich seit OS-Version 3.0 automatisch mit Funknetzen, die es schon kennt. Das klingt erst mal nicht verkehrt, denn wer will schon jedes Mal aufs Neue einen WLAN-Schlüssel eintippen. Dummerweise kann man dem iPhone nicht abgewöhnen, dass es sich mit bekannten Netzen verbindet. Man kann es nur bekannte Netze vergessen lassen, aber dann muss man doch die Zugangsdaten immer wieder eintippen, wenn man mal eine Verbindung will.
Das bedeutet, dass jedes WLAN, in das man sich einmal eingebucht hat, immer wieder eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf das Apple-Handy ausübt. Und wem an dieser Stelle noch nicht klar ist, warum das ein Problem ist, der stelle sich folgendes Szenario vor: Nach einem langen Arbeitstag im Café geht Grafikdesigner Günter nach Hause. Er hat seinen Facebook-Status per iPhone aktuell gehalten, das sich über einen T-Mobile-Hotspot ins Internet eingewählt hat. Zwei Etagen über Günter wohnt Hacker Bert und dem ist langweilig. Er richtet ein WLAN ein und lässt es nach einem T-Online-Hotspot aussehen. Sofort loggt sich Günters iPhone in Berts WLAN ein. Bert kann – ein bisschen Spielerei vorausgesetzt – Günters Zugangsdaten auslesen, Internetanfragen umleiten und generell mit dem Traffic machen, was er will.
Aufgefallen ist diese Lächerlichkeit
Samy Kamkar, der das Spiel in den USA mit AT&T-Hotspots durchgezogen hat. Er will demnächst ein Tool veröffentlichen, das die Umleitung automatisiert. Bisher stellt er nur das Kapern von Google-Maps-Anfragen in Aussicht, denn das ist die denkbar harmloseste Attacke. Kamkar hat auch guten Grund, vorsichtig zu sein, denn gegen ihn läuft bereits eine Haftstrafe auf Bewährung. Die hat er sich eingefangen, weil er den MySpace-Wurm "Samy" geschrieben hat, der ihm praktisch über Nacht Millionen MySpace-Freunde bescherte.
Samy Kamkar hat übrigens noch ein weiteres Juwel in seiner Codekiste, auf das ich schon länger mal hinweisen wollte:
pwnat. Es ist etwas fortgeschrittener Natur, aber sehr praktisch, wenn man's erstmal im Griff hat. Das Programm kann eine Verbindung zwischen zwei Rechnern herstellen, die sich beide hinter NAT-Geräten befinden. Es braucht – und das ist das Besondere – keine Portweiterleitung und auch keinen Proxy. Nur die IP-Adresse des als Server beteiligten Rechners muss man kennen, was aber in DynDNS-Zeiten kaum ein Problem sein dürfte.
Auf den ersten Blick erscheint pwnat vielleicht etwas überflüssig, denn wenn ich auf einem Rechner hinter einem NAT-Gerät einen Server laufen lassen kann, dann bin ich üblicherweise in meinem Heimnetz und da kann ich sowieso machen, was ich will. Doch in vielen Windows-Domänen ist das anders: Da sind User oft als lokale Admins angemeldet, sie haben also volle Gewalt über ihren Rechner. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie Zugriff auf den Router des Netzwerks haben. Dank pwnat, das sich auch unter Windows kompilieren lässt, können solche Nutzer trotzdem von außerhalb der Domäne zugreifen und Netzwerk-Traffic weiterleiten.
Von Interesse ist das vor allem für Autoren von Trojanern und Viren: Mit der pwnat-Methode könnten sie Schadprogramme, die sie auf anderer Leute Rechner abgeladen haben, steuern, ohne von NAT-Geräten ausgesperrt zu werden oder bestimmte Ports verwenden zu müssen. Solche Trojaner wären deutlich schwerer zu entdecken als ihre heutigen Brüder. Hoffen wir also, dass die Kinderkrankheiten, unter denen pwnat noch leidet, nicht allzu bald kuriert werden. Sonst gibt's nämlich bald eine neue Virengeneration und das würde für Samy Kamkar gar nicht gut aussehen.