Eine peinliche PowerPoint-Präsentation dürfte so ungefähr die sicherste Methode sein, um sich als marketinggeschädigter Computer-Halbgebildeter zu outen. Trotzdem kann man sich gerade im beruflichen Umfeld kaum vor lachhaft simplen Folien retten, deren Hauptzweck darin besteht, die Sachkundelücken des Autoren mit kreischbunten Hintergründen und komplementärfarbenen Sprechblasen zu überdecken. Dazu schwingen eben diese Autoren gern ziegelsteingroße Fernbedienungen, die ihrer Präsentation auch noch den Flair von Hardware-Know-How hinzufügen sollen. Einer dieser Drahtlos-Ziegel ist die R400-Funkfernbedienung von Logitech.
Anhand dieses mattschwarzen Stücks Technik führt aber nun Hackerkollege
Niels Teusink vor, dass es niemals, aber auch wirklich niemals eine gute Idee ist, irgendwas unverschlüsselt per Funk zu übertragen. Es ist ihm nämlich durch ziemlich cooles Reverse Engineering der Hardware gelungen, die Funkverbindung zwischen der Fernbedienung und ihrem USB-Dongle nachzuvollziehen und – wie sollte es anders sein – zu übernehmen.
Teusink kann mit einer so gekaperten Fernbedienung aber nicht nur die PowerPoint-Präsentation durcheinanderbringen. Er kann den kompletten Rechner übernehmen. Die Crux an der Sache besteht nämlich darin, dass sich der USB-Dongle als Maus/Tastatur-Kombination am PC anmeldet und die Tastendrucke der Fernbedienung in Tastatureingaben übersetzt. Dabei beschränkt sich der Dongle nicht auf die Tasten, die an der Fernbedienung tatsächlich vorhanden sind, sondern nimmt fröhlich auch alle anderen Eingaben entgegen. Es ist also ein leichtes, beispielsweise
[Win+R] [Enter] [shutdown /t 0 /f /s] [Enter] an den Zielrechner zu senden und das lange Gesicht des PowerPoint-Präsentators zu genießen, wenn sein Rechner einfach runterfährt. Dass die Chance, beliebige Tastaturkommandos an einen fremden Rechner zu übermitteln, auch noch ganz andere Möglichkeiten eröffnet, muss ich bestimmt nicht extra betonen.
Natürlich hat die Sache aber auch einen Haken. Der liegt darin, dass die Fernbedienungen weder im Bluetooth- noch im WLAN-Band senden, sondern auf einer Frequenz von 2,4 GHz. Der geneigte Funk-Hacker muss sich also zunächst mal ein eigenes Angriffsmodul zusammenlöten und auch wenn die Komponenten dafür nicht mehr als 30 Euro kosten, dürfte das viele abschrecken. Schade eigentlich, denn ein solches Modul wäre ein echter Grund, sich mal auf eine PowerPoint-Präsentation zu freuen.