So unausweichlich wie Silvesterknaller bringt das Ende eines Jahres auch den Rückblick mit sich: Allerorten wird auf die Bilder, Personen und Ereignisse des absolvierten Jahres zurück geschaut und eine Mischung aus kollektivem Wiederholungsstaunen und eigentlich verfrühter Nostalgie beschworen. Genau das soll auch hier in diesem Jahr so sein und ich präsentiere:
Hacks und Headlines des Jahres 2009!
Rund um die
Pirate Bay schlugen gleich in zweierlei Hinsicht Wellen der Entrüstung hoch: Erst werden im April drei der Betreiber, nämlich Fredrik Nej, Gottfrid S. Warg und Peter Sunde, sowie ihr Finanzier Carl Lundström wegen Beihilfe zu Urheberrechtsverletzungen vor ein schwedisches Gericht gezerrt. Im Laufe des Verfahrens stellt sich heraus, dass mehrere beteiligte Richter in Verbänden aktiv sind, die sich der Verschärfung des schwedischen Urheberrechts verschrieben haben. Alle Beschwerden wegen eventueller Befangenheit der Richter werden abgewiesen und die Piraten werden zu einjährigen Haftstrafen und ca. 2,5 Mio. Schadenersatz
verurteilt. Die Berufung läuft.
Dann gibt es im Juli Gerüchte um einen
Verkauf der Pirate Bay: Angeblich soll die schwedische Internet-Café-Kette Global Gaming Factory X die FileSharing-Zentrale übernehmen. Ein Kaufpreis von ca. 5, 5 Mio. wird genannt und auch im Blog der Pirate Bay wird eine "win-win-win"-Situation
herbeijubiliert. Tatsächlich erfahren wir im September, dass die Global Gaming Factory X in herben Finanzschwierigkeiten steckt und von einem Kauf der Pirate Bay ist nie mehr
die Rede. Quintessenz: Außer Spesen nix gewesen.
Zum Ende des Jahres hat die deutsche Polizei Kampfgeist bewiesen: Im November gelingt ihr in Kooperation mit österreichischen Behörden ein vernichtender
Schlag gegen die berüchtigte
1337-Crew, eine Horde von akut- und postpubertären Scriptkiddies, die vor allem durch grobes Maulmachen und Online-Kleinkriminalität aufgefallen waren. Im Dezember schaltet dann das BKA den größeren deutschen Torrent-Tracker
quorks ab und lässt das als den zweiten schweren Schlag gegen die organisierte Online-Kriminalität
vermelden. Es hat aber keine drei Wochen gedauert, bis der Tracker wenn auch eingeschränkt wieder online war.
Bereits im Januar hat es einen ordentlichen Aufreger im Kielwasser des 25C3 gegeben: Schnurlose Telefone kann jedermann
abhören. Erik Tews und
Jacob Appelbaum, die an dieser Sensation Beteiligten, sind zwei Hacker-Popstars ersten Ranges. Tews war an der kryptologischen Exekution des WEP-Algorithmus beteiligt und Jacob Appelbaum friert gern RAM-Riegel ein, um deren Inhalt auszulesen. Außerdem hat er ein Rückgrat des Internets, den MD5-Algorithmus, zerpflückt und damit einer Menge Webseiten ernsthafte Sicherheitsprobleme bereitet. Doch zurück zum Thema: Mit Hilfe einer inzwischen goldwerten PCMCIA-DECT-Karte und entsprechender Treibersoftware von
dedected.org lassen sich Gespräche über Schnurlostelefone mitschneiden und aufzeichnen. Und auch wenn man sich bei
deDECTed Mühe gibt, allen illegalen Implikationen aus dem Weg zu gehen, dürften die Begehrlichkeiten aller Grau- und Schwarzhüte geweckt sein. Übrigens: Erik Tews hält auch auf dem diesjährigen Chaos Communication Congress einen Vortrag, in dem er die Entwicklungen des zurückliegenden Jahres rund um DECT darstellen wird.
Im März folgte dann eine Sensation, die eigentlich gar nichts mit PCs zu tun hatte: Der erste Botnetz-Trojaner wurde entdeckt, der es gar nicht auf ausgewachsene Rechner, sondern auf
DSL-Router abgesehen hat.
Psyb0t so heißt der Übeltäter hatte sich bereits auf über 80.000 anfälligen DSL-Routern verbreitet, bevor er entdeckt wurde. Damit stand ein Botnetz von mehr als beachtlichem Ausmaß und vor allem beneidenswerter Verfügbarkeit unter der Kontrolle seines Meisters. DSL-Geräte laufen nämlich, anders als PCs, oft rund um die Uhr und stehen für Cyber-Schandtaten in viel größerer Zahl bereit als in einem vergleichbar großen PC-Botnetz. Glücklicherweise hat Psyb0ts Meister, der unter dem Nick DSR firmierte, nach seiner Enttarnung angekündigt, das Botnetz offline nehmen zu wollen und den Wurm nicht weiter zu verbreiten.
Der dritte große Hack des Jahres wurde im August von Itzik Kotler und Tomer Bitton
präsentiert: Mit ihrem Tool
IPPON kapern sie Updateprozesse zahlreicher gängiger Desktopanwendungen und schieben dem nichtsahnenden User so statt einer Softwareaktualisierung Trojaner und Malware auf den Rechner. Allgegenwärtige Tools wie Alcohol 120 %, Skype und der Adobe Reader gehören zu den Opfern von IPPON. Seit IPPON ist also auch eine aus Sicherheitssicht zu befürwortende Maßnahme, nämlich das regelmäßige Aktualisieren der eigenen Software, zu einem Sicherheitsrisiko geworden. Man kann einfach niemandem mehr trauen
.
So hat auch das Jahr 2009 gezeigt, was wir schon vorher wussten: Egal, wie sicher man zu sein glaubt, man ist es nie.
Alles ist hackbar. Und das wird auch so bleiben, im Jahr 2010 und danach. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch!