So gut wie jedes Schnurlostelefon in Deutschland kann ohne großen Aufwand von jedermann abgehört werden. Diese kleine Bombe ließen vier "Sicherheitsanalysten" (sprich: Berufshacker) im Rahmen
eines Vortrags auf dem letzten Chaos Communication Congress 25C3 platzen. Der DECT-Standard, der der Funkübertragung zwischen einem schnurlosen Telefon und seiner zugehörigen Basisstation zugrunde liegt, ist nämlich löchrig wie ein altes Fischernetz. Obendrein werden die mageren Sicherheitsfunktionen des Standards bei den meisten Telefonen gar nicht erst umgesetzt.
Einer der Urheber dieser mittleren Sensation ist ein alter Bekannter:
Erik Tews, Doktorand an der TU Darmstadt, machte bereits mit seiner Beteiligung am WEP-Crackalgorithmus ptw und kürzlichen Spielereien an der WPA-Verschlüsselung von sich reden. Jetzt hat er sich gemeinsam mit den Kollegen Andreas Schuler und Ralf-Philipp Weinmann über den DECT-Standard hergemacht und ihn völlig zerpflückt.
Das Ergebnis ist, dass Telefonate über schnurlose DECT-Geräte in Zukunft ebenso unsicher sind wie die Internetkommunikation über ein WEP-WLAN. Jedes Gespräch mit Oma, aber auch jeder Telefonbanking-Anruf und jede fernmündliche Nachfrage beim Hausarzt können ab sofort vom technisch versierten Nachbarn mitgehört und mitgeschnitten werden. Der Hobby-Spion braucht dazu nur eine
spezielle PCMCIA-Karte und ein Notebook. Das
Plug-In für den WLAN-Sniffer Kismet gibt es schon, verfasst unter anderem von einem weiteren alten Bekannten:
Jacob Appelbaum, dem Sicherheitsanalysten, der gern RAM-Riegel auf Eis legt und kürzlich den Hash-Algorithmus MD5 ins Nirwana geschossen hat.
Die nötige Com-On-Air-DECT-Karte hat übrigens auf ebay in den letzten Tagen einen Preisanstieg erlebt, der schon etwas lächerlich wirkt: Im Dezember verstaubten die Dinger noch bei den Händlern und sollten 23 kosten, heute werden
250 und mehr aufgerufen. Der Grund liegt auf der Hand: Jedes Script Kiddie kann mit einer Com-On-Air-Karte und dem aktuellen Kismet sämtliche Schnurlos-Telefonate in seiner Umgebung abhören. Ein paar lohnenswerte Ziele schlägt die ZDF-Sendung Frontal 21 vor: Apotheken, Sanitätshäuser, Arztpraxen, Anwaltskanzleien. Aus deren Telefongesprächen lassen sich bestimmt ein paar geldwerte Informationen herauslauschen, die den Anschaffungspreis der Karte rechtfertigen könnten.
Es ist also mal wieder bewiesen:
Anything is hackable. Und die Folgen reichen manchmal weit. In diesem Fall hoffentlich bis in den eigenen Haushalt denn wer jetzt noch ein DECT-Telefon für vertrauliche Telefonate verwendet, ist selbst schuld.