Der raketenartige Aufstieg von StudiVZ zur meistbesuchten deutschen Internetseite beweist es: Der Internet-Nutzer von heute will sich mit seinesgleichen austauschen. Und was wäre dagegen zu sagen, dass Menschen das Internet für etwas benutzen, das sie seit Ewigkeiten tun: Miteinander plaudern. Es werden Freundschaften gepflegt, neue Bekanntschaften geknüpft und Verabredungen getroffen. So manche Liebelei dürfte ihren Anfang auf StudiVZ genommen haben.
Und StudiVZ – von Kritikern als StasiVZ tituliert - ist nur ein Beispiel: Auf zahlreichen Plattformen hinterlassen Nutzer ihre Profile, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Je aussagekräftiger ein solches Profil ist, umso größer die Chance, tatsächlich Gleichgesinnte zu finden. Um aussagekräftig zu werden, muss das Profil aber mit Informationen angereichert werden: Bilder, Daten, Meinungen. Schnell entsteht ein umfassendes Online-Abbild eines Menschen.
So weit, so unbedenklich. Unangenehm wird es erst, wenn man die Kontrolle über sein Online-Abbild verliert. Wenn peinliche Fotos auftauchen oder voreilige Forumsbeiträge publik werden, erkennen viele Nutzer die Zweischneidigkeit der Online-Gemeinschaften. Was einmal die Runde gemacht hat, ist meist nicht mehr zu löschen. Und nicht nur Selbstveröffentlichtes wird Teil der Online-Identität. Auch Beiträge Anderer – ob wahr oder nicht – bleiben haften. Die Hasstirade einer bloggenden Exfreundin ist da nur das nächstliegende Beispiel.
Dazu kommt, dass viele Nutzer nicht kontrollieren, wer Zugriff auf ihre Online-Persönlichkeit bekommt. Wer seine StudiVZ-Bildersammlung für alle freigibt, darf sich nicht wundern, wenn er bei einem späteren Vorstellungsgespräch darauf angesprochen wird. Oder – noch unangenehmer – gar nicht erst eingeladen wird, weil der gute Eindruck der Bewerbungsmappe ruiniert war. Denn laut einer Umfrage des Bundesverbandes der deutschen Unternehmensberater (BDU) aus dem Jahr 2007 schauen 76 % der deutschen Personalchefs im Internet nach, was dort über ihre aktuellen Aspiranten zu finden ist. 57 % der Personaler haben bereits Bewerber wegen der Netzfundstücke von der Kandidatenliste gestrichen.